ADS ist auch unter folgenden Bezeichnungen bekannt:
Hyperkinetische Störung - HKS:
Aufmerksamkeitsdefizit - Syndrom (mit / ohne Hyperaktivität)
Minimale Cerebrale Dysfunktion - MCD: (veraltet)
Hyperaktivität: (umgangssprachlich )

Begriffe: Es gibt sehr viele Begriffe, die in das Feld
der Aufmerksamkeits-störung mit / ohne Hyperaktivität und mit
/ ohne gestörtem Sozialverhalten passen:
Hyperkinetische Störung - HKS: Dieser Begriff wird im Diagnosenkatalog
ICD 10 der WHO verwendet und ist in Deutschland für Ärzte und
Psychotherapeuten beim Verkehr mit Krankenkassen und Kassenärztlichen
Vereinigungen bindend. Aufmerksamkeitsdefizit - Syndrom (Mit / ohne Hyperaktivität)
Abgekürzt wird es: ADS / ADS-H, oder engl. ADD (Attention Deficit Disorder)
oder ADHD (Attention Deficit and Hyperactivity Disorder): Die amerikanische
Literatur sowie die deutschen Psychologen (an Universitäten und oft
als Angestellte in Einrichtungen) orientieren sich am DSM IV. Minimale Cerebrale
Dysfunktion MCD: Dieser Begriff ist eigentlich mittlerweile veraltet und
sollte nicht mehr verwandt werden, weil er einen (nicht nachweisbaren) Hirnschaden
postuliert. Damit wird Kindern ein Schaden unterstellt; diese Etikettierung
erschwert einen angemessenen Umgang mit der Problematik erheblich. Hyperaktivität:
Dieser Begriff ist umgangssprachlich für das HKS oder ADS - (H) - Syndrom
weitverbreitete, deshalb verwende auch ich ihn regelmäßig.
Diagnostik: Die Kerndiagnostik zentriert auf die Erfassung
der Symptome Bewegungsunruhe, Aufmerksamkeitsstörung und Impulsivität.
Die Störung muß vor dem 7. Lebensjahr begonnen haben und in mehr
als einem Lebensbereich (Schule, Freizeit, Familie etc.) auftreten. Die
Symptome verursachen deutliches Leiden oder eine Beeinträchtigung der
sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit.
Der Begriff Bewegungsunruhe' erklärt sich von selbst. Impulsivität'
meint, daß Kinder spontanen Impulsen folgen. Sie können nicht
warten, bis sie dran sind, unterbrechen oft Andere und beachten dabei oft
übliche Umgangsformen nicht. Aufmerksamkeitsstörung' meint,
daß Kinder schwer bei der Sache bleiben können, oft mit ihren
Gedanken abschweifen, Schwierigkeiten haben, Vorträge anzuhören
oder sich immer wieder eine Phantasiewelt aufbauen.
Zur Diagnostik tragen Intelligenztests, Konzentrationstests und verschiedene
Fragebögen zum kindlichen Verhalten bei.
Erschwert wird die Diagnostik durch die Fluktuation der Symptomatik, d.h.
sie ist nicht stabil, sondern sehr von äußeren Reizen abhängig.
Ein unauffälliges Testergebnis widerlegt nicht die Vermutung einer
Hyperaktivität oder Aufmerksamkeitsstörung!
Typische Verhaltensdefizite werden durch Störungen in zentralen Hemmungsprozessen erklärt:
Diese Störung der Hemmungsvorgänge wirkt nun auf vier, sog. exekutive, Funktionen ein:
Ein gestörtes nichtverbales Arbeitsgedächtnis: Betroffene Kinder haben Schwierigkeiten in der zeitlichen Organisation (Betroffene sind unpünktlich oder überpünktlich, vergessen Termine, können Zeiträume nicht abschätzen), in der räumlichvisuellen Wahrnehmung (Schwierigkeiten in Geometrie!), das Abschätzen von Konsequenzen eigenen Handelns (wenn ich die Hausaufgaben für die Schule nicht regelmäßig mache, muß ich mit schlechten Noten rechnen à die Kinder müssen entsprechende Erfahrungen wesentlich öfter machen), das Reflektieren über eigenes Handeln (es ist sehr schwer, mit diesen Kindern angemessen über problematisches Verhalten zu reden), das Wahrnehmen sozialer nichtsprachlicher Signale. Dies ist bei betroffenen Kindern kein Nichtwollen, kein absichtliches Provozieren, kein Ärgernwollen, keine Verantwortungslosigkeit, sondern schlichtweg: Das Kind kann es nicht anders, es ist Teil der ADS / HKS - Problematik! Es ist, als ob man von einem blinden Kind die Beschreibung eines Bildes erwarten würde.Die Selbstregulation von Affekten, der Motivation und des Erregungsgrades: Diesen Punkt halte ich für zentral bei den Problemen dieser Kinder. Die Störung der Affektregulation, der Erregung und Aufmerksamkeit wirkt sich nicht so aus, dass ein Kind immer in diesem Bereich Schwierigkeiten hat; vielmehr ist das nicht bewusst steuerbare Pendeln zwischen Minimum und Maximum problematisch. Diese Kinder haben erhebliche Schwierigkeiten damit, sich selbst zu motivieren, oder selbst bewußt ihren Erregungsgrad abzusenken. Werden sie aber durch eine Tätigkeit gefesselt, so sind diese Kinder hochmotiviert und können einen extremen Arbeitseifer an den Tag legen. Ebenso ist es mit dem Erregungsgrad: Betroffene Eltern kennen die Wutausbrüche: Es fängt mit Kleinigkeiten an und es wird rapide zur massiven Auseinandersetzung. Betroffenen Kinder können sich nicht so selbst regulieren, dass sie alleine zur Ruhe kommen. Eltern werden dabei oft heftigst beschimpft. Hier hat man kaum Einflussmöglichkeit, es hilft nur abwarten und aktive De-Eskalation! Das ist erstmal die einzig ruhestiftende Möglichkeit, hinterläßt aber, verständlicherweise, bei den betroffenen Eltern einen schalen Nachgeschmack ("Ich muß doch das Kind bestrafen, wenn es 'Arschloch' zu mir sagt." , "Es muss doch lernen, dass das nicht geht!"). Hier empfehle ich, erstmal dafür zu sorgen, dass Ruhe einkehrt. Wenn Eltern und Kind extrem aufgeregt sind, ist eine angemessene Lösung nicht möglich. Nach etwa einer Stunde würde ich das problemorientierte Gespräch mit dem Kind suchen - auch wenn das Reflektieren des eigenen Verhaltens für Betroffene sehr schwer ist. Das widerspricht meinen sonstigen, verhaltenstherapeutischen Empfehlungen: Sofort reagieren, sofort strafen, sofort loben. Besser ist es natürlich noch, Konfliktsituationen voraus zu planen. Eltern kennen die problematischen Situationen, und können sich so drauf einstellen und aktiv die Spannung au s der Situation zu nehmen. Was sich hier so leicht empfehlen lässt, ist in der Praxis nur sehr schwer umzusetzen: sind die Eltern doch oft selbst impulsiv, oft unter Zeitdruck, haben Planungsschwierigkeiten, sind den Schuldvorwürfen der Umgebung ausgesetzt.
Es wird hier deutlich, wie schwierig der Umgang mit diesen Kindern ist. Hinzu kommt noch das unwillkürliche Pendeln der Leistungen (Konzentration, Motivation und Emotion). Es legt nahe, dass man dem Kind nur ein Nichtwollen unterstellt: "Wer sich mal konzentrieren kann und mal nicht, strengt sich nur nicht genug an!"
Der Internalisierung und Automatisierung von Sprache (als ein Aspekt des verbalen Kurzzeitgedächtnisses) (z.B. beim planvollen Herangehen an Aufgaben / Probleme) Probleme löst man durch planvolles Vorgehen: "Ich lese mir die Aufgabe durch. Was wird verlangt? Kenne ich ähnliche Aufgaben von früher? Wie habe ich die gelöst? Was ist gegeben? Wie lautet die Formel? Wie finde ich die passende Formel?" Dies sind alles sprachliche Hilfsmittel um Probleme zu lösen, und hier haben die ADS-Kinder gerade Schwierigkeiten, diese sprachlichen Aussagen zu automatisieren.
Analyse und Synthese von Handlungssequenzen. Es gibt außerordentliche Schwierigkeiten, komplizierte / komplexe Handlungen zu analysieren, in einzelne Teilhandlungen aufzulösen und diese flexibel in neuen Anforderungssituationen anzuwenden. Steht man vor neuen Problemen, empfiehlt sich folgende Problemlösestrategie:Wie entwickelt sich die Störung langfristig? Früher
hatte man ein einfacheres Konzept der Hyperaktivität, es stand die
Bewegungsunruhe im Zentrum alle Bemühungen. Und da diese oft in der
Pubertät abnimmt, dachte man, Hyperaktivität sei eine Störung,
die auf das Kindesalter beschränkt sei. Neuere Forschungen sehen die
Problematik differenzierter. Bei 1/3 bis 2/3 der Betroffenen hält die
Symptomatik bis in das Erwachsenenalter an; häufig bleibt die Impulsivität
und Konzentrationsschwäche weiter bestehen.
Nur 20% sind mit 15 Jahren problemfrei. Hyperkinetiker weisen in erheblich
höherem Maße schulische Schwierigkeiten und Schulversagen auf.
50-70% haben beim Erreichen des Erwachsenenalters Verhaltensprobleme und
Symptome der ADS. Therapeutisch ist es ein erheblicher Unterschied, ob Hyperaktivität
mit einer Störung des Sozialverhaltens einhergeht, oder nicht: Ist
kindliche Hyperaktivität mit Aggressivität verknüpft, so
sagt dies auch späteres aggressives und sozial auffälliges Verhalten
voraus. Die Gefahr, dass diese Kinder kriminelle Delikte begehen, ist sehr
hoch! Hyperaktiv - aggressive Kinder sind gemeinhin schwerer betroffen:
Sie sind in ihrem Sozialverhalten noch gestörter als jene mit Störungen
des Sozialverhaltens und sind Hyperaktiver als die rein Hyperaktiven. Im
Alter von 19 Jahren zeigen sie eine deutlich höhere Kriminalitätsrate
und vermehrten Kontakt mit illegalen Drogen. Im Alter von 25 Jahren zeigt
sich deutlich häufiger eine Antisoziale Persönlichkeitsstörung
(sie geht mit Kriminalität einher), ein niedriger Schulabschluss, deutlich
verringertes Einkommen, häufiger Arbeitsplatzwechsel.
Was kann man machen? Alle mit dem Kind befassten Personen sollten sich gründlich informieren. ADS - (H) ist in aller Munde, jedoch wird viel Halbwissen verbreitet und so der Nährboden für Vorurteile geschaffen.
Jugendhilfemaßnahmen sinnvoll sein:
Hilfe zur Erziehung: Erziehungsberatung, soziale Gruppenarbeit, Erziehungsbeistandschaft,
sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehung in einer Tagesgruppe. Die
Hilfe zur Erziehung tritt dann ein, wenn sich Eltern nicht mehr in der Lage
sehen, wenn 'eine dem Wohl des Kindes entsprechende Erziehung' nicht gewährleistet
ist. Dann ist den Eltern eine Hilfeform zu vermitteln, die notwendig und
ausreichend ist.
Eingliederungshilfe: Dies eröffnet weitere Möglichkeiten spezieller Förderungen: z. B. Heimaufenthalte, spezielle Förder- und Therapiemaßnahmen ... Dies setzt das Vorliegen einer seelischen Behinderung voraus. Es muss hierzu eine psychische Störung vorliegen und zudem als Folge der Störung die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft beeinträchtigt sein. Dies ist sehr schwer nachzuweisen. Die Störung darf nicht durch psychotherapeutische Maßnahmen alleine begehbar sein. Entsprechende Bescheinigungen werden meist nur von Erziehungsberatungsstellen, Schulpsychologischen Diensten oder von Ärzten anerkannt, die langjährig Erfahrung in der Jugendhilfearbeit haben.
Diese Praxis berücksichtigt aus meiner Sicht noch nicht die neue gesetzliche Entwicklung der Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes. Hier wurde der eigenständige Beruf des Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten geschaffen. Bei der Finanzierung der Maßnahmen ist vorrangig die Krankenversicherung zuständig. Ist die seelische Behinderung anerkannt, dann sind eine Reihe von weiteren kostenintensiven, ambulanten wie stationären Maßnahmen möglich.
Eine Diagnose sollte immer von einem erfahrenen Arzt oder Psychologen vorgenommen werden.
Dazu gehören immer:
Sausebraus: Praxis für Ergo-Therapie, Heedfelder
Str. 9, 58509 Lüdenscheid
Wellenreiter: Praxis für ganzheitliche Psychotherapie (HPG), Friedrich-Ebert-Straße
243, 58566 Kierspe