1. Beitrag in einem Forum für Hochbegabte aller Alterstufen
Frage:
Mich würde bei zutreffenden Eigenschaften interessieren, wie ihr mit
dem "Syndrom" umgeht. Habt ihr spezielle Lernstrategien entwickelt?
Könnt ihr euere Aufmerksamkeit bei faszinierenden Themen bündeln
oder sie bei starker Konzentration auf Problemstellungen fokusieren?
Antwort:
Mich interessiert halt generell alles Neue.
Da mein Interesse aber schnell nachlässt, muss ich mich beeilen, an
einer Sache dranzubleiben, solange die Motivation noch hoch ist. Leider
haben meine Kollegen mehrheitlich eine völlig andere Arbeitsweise:
eher mißtrauisch und vorsichtig gegenüber Neuem, lange Anlaufzeit
nach ausgiebiger Information, dann aber gründliche zuverlässige
Arbeit, wenn sie erst mal von etwas überzeugt sind. (Ich bin da leider
kein bisschen synchron, denn bis meine Kollegen mal endlich überzeugt
sind, ist mir längst die Lust an der Sache ausgegangen)
Ich muss auch aufpassen, dass ich nicht zuviel Begeisterung an den Tag
lege, da diese leicht als missioniarischer Eifer gedeutet liegt, obwohl
mir nix ferner liegt als Leute zu bevormunden.
Trotzdem erlebe ich leicht, dass meine hohe Anfangsmotivation plus das entsprechende
Engagement andere plattwalzen, so dass sie sich unter Druck gesetzt fühlen.
Auch meine Gewohnheit, andere Menschen aus lauter Begeisterung und Interesse
mit Fragen geradezu zu löchern, hat immer wieder bei diesen Mißtrauen
und Ablehnung hervorgerufen. Man arwöhnte z.B., ich sei eine Journalistin,
die sich heimlich in die jeweilige Gruppe einschleichen und darüber
ohne Einverständnis der Mitglieder einen Bericht schreiben wolle. Dass
ich einfach nur aus starkem persönlichen Interesse und ohne Hintergedanken
frage, fällt vielen schwer zu glauben.
Manchmal hilft es, wenn ich mit den Kollegen oder auch den Schülern nur noch in Zeitlupe kommuniziere. Allerdings ist das ziemlich anstrengend und nicht ständig durchzuhalten.
Ein großes Problem ist die Bürokratie, besonders das Ausfüllen
von Formblättern, das Einhalten irgendwelcher blödsinniger Paragraphen,
deren Sinn nicht nur ich nicht einsehe, und überhaupt die detaillierte
Vorausplanung in kleinen Schritten .
Ich hasse es, etwas aufzuschreiben, und ich plane auch ungern detailliert,
da ich bei vielem einfach spontan besser bin als wenn ich mich vorbereite.
Ich plane dafür sehr viel im Kopf, dabei kann ich meine Kreativität
besser einsetzen. .
Ein weiteres Problem ist meine Art des Denkens, die ist nämlich stark assoziativ. Daher fällt es mir schwer, ein Thema erst mal nur von einem einzigen Blickwinkel aus zu beleuchten und solange alle anderen Aspekte auszublenden. (siehe auch die Umfrage zum sequentiellen vs. räumlichen Denken) Das überfordert aber offenbar viele.
Ein weiterer Knackpunkt sind fehlendes Karrieredenken, fehlende Zielstrebigkeit, fehlender Ehrgeiz. Eine Sache über einen längeren Zeitraum konsequent verfolgen und daran produktiv weiterarbeiten ist insgesamt schwierig für mich.
Was davon jetzt nur von der HB herrührt und was eher am ADS liegt, ist manchmal schwer zu sagen.
Mein Konzept: möglichst viel Abwechslung. Immer wieder neue Menschengruppen, immer wieder neue Themen, immer wieder neue Methoden. So gesehen ist mein derzeitiger Beruf (Lehrerin) eigentlich recht gut geeignet. Was mir auch noch gefallen würde, wäre der Sektor Beratung/ Information/Coaching, da man dabei mit ständig wechselnden Klienten zu tun hat, und der Bereich Fortbildung/Weiterbildung, weil auch dabei immer wieder andere Lerngruppen zu betreuen sind.
2. Beitrag in einem Forum für hypersensible Personen
Frage:
wie extrovertiert oder introvertiert seid ihr?
Antwort:
Ich war in meiner Kindheit absolut schüchtern, introvertiert und hypoaktiv,
kaum zu lockerer Kommunikation oder small talk in der Lage und voller Minderwertigkeitskomplexe.
Vermutlich besteht da ein Zusammenhang mit frühkindlicher Traumatisierung
und mit langjähriger Medikamenteneinnahme. Besonders schlimm war für
mich der Sportunterricht, und ich litt sehr unter subtilem Mobbing durch
meine Mitschülerinnen.
So ca. ab dem 17./18. Lebensjahr (Absetzen der Medikamente) änderte sich das aber, und seitdem werde ich immer extrovertierter. (Ich gehe inzwischen schon auf die 50 zu).
Leider lebe ich nur in einem 2-Personen-Haushalt und leide oft unter Einsamkeit. Ich hätte schrecklich gern mehrere Kinder, überhaupt eine große Familie gehabt, aber es hat nicht geklappt.... Zum Glück hab ich beruflich viel mit Menschen zu tun, so dass ich auf jeden Fall täglich mehrere Stunden lang in intensivem Kontakt mit anderen bin. In den ersten Urlaubstagen falle ich daher regelmäßig erst mal in ein depressives Loch.
Ich kann von mir sagen, dass ich mich besonders wohl unter wildfremden und interessanten Menschen fühle und mich dann sehr auf regen Austausch und interessante Diskussionen freue. Aus solchen Begegnungen ziehe ich sogar Energie, sie können mich regelrecht erfrischen und beleben.
Deshalb hab ich auch seit letztem Jahr bei längeren Autofahrten Mitfahrgegelegenheiten übers Internet angeboten und war richtig selig, dass durch anregende Unterhaltungen mit neuen, interessanten Leuten die Zeit wie im Fluge verging.
Ich bin sehr neugierig und offen und impulsiv und kann im Umgang mit Menschen
gut improvisieren. Ob die Putzfrau am Arbeitsplatz, der Penner am Bahnhof,
der Generaldirektor beim Empfang, das Nachbarskind oder die Frau an der
Supermarktkasse - ich verwickle alle gern in ein Gespräch. Mir gehen
immer viele interessante Themen durch den Kopf, für die ich gerne ein
feedback hätte.
Doch ich weiß, dass ich mein näheres Umfeld damit überfordern
würde, wollte ich die alle an ihnen loslassen. Also verteile ich lieber
alles, was mich interessiert, auf möglichst viele Menschen. Umso größer
die Chance, einen nachdenkenswerten neuen Impuls zu bekommen und einen fruchtbaren
Dialog zu beginnen.
Laufen in einer Runde mehrere Gespräche parallel, so überfordert
mich das sehr, denn ich höre alles gleich laut und kann nur mühsam
das für mich Interessante herausfiltern.
Daher mag ich auch keine Riesenparties mit vielen Gästen, sondern fühle
mich in kleineren Runden mit ausgesuchten Gästen viel wohler.
Was ich nicht ertragen kann, sind Spannungen und Streits, besonders nicht
mit derber, unflätiger oder primitiver Sprache. Bei sowas ziehe ich
mich sofort zurück. Auch große Lautstärke und schrille Töne
veranlassen mich zum Rückzug.
Zuhause sehe ich weder fern noch höre ich Radio und auch nicht regelmäßig
Musik (am ehesten Klassik oder new age). Ich verbringe manchmal viele stille
Stunden, wo nur das Summen des Kühlschranks oder das Gebläse des
PCs zu hören sind.
Ich brauche also die richtige Mischung aus Alleinsein und Geselligkeit.
Ach ja, bei dem online-HPS-Test hatte ich ca. 260 Punkte.Und nach der ADS-Typen-
Klassifizierung durch Lynn Weiss bin ich wohl an Mischtyp aus Extroversion
und Introversion.
3. Beitrag in einem Begabtenforum zum Thema Hypersensibilität
Eins der vielen Merkmale von Menschen mit AD(H)S und auch von vielen Hochbegabten
ist die Hypersensibilität. Inzwischen gibt es dazu einige Untersuchungen
und auch online-infos für Betroffene.
...
Ich hab in letzter Zeit wieder viel gelesen, besonders Beschreibungen, in
denen ich mich wiedergefunden habe. Und vieles, was ich für eine persönliche
Macke hielt, stellt sich im nachhinein als typisches Merkmal heraus, das
ich mit vielen Menschen teile.
Was bleibt dann noch von mir?
Selbst so Dinge wie dass ich als Kind selbst bei kurzen Autofahrten oft erbrechen musste oder dass mir in der Parfümabteilung eines Kaufhauses sofort übel wird und ich da gaaaanz schnell durcheile oder dass ich mir ins Kino meistens Ohrenstöpsel aus Schaumstoff mitnehme, um den Schall wenigstens etwas einzudämmen, oder dass ich nicht mehr wieder einschlafen kann, wenn draußen auf dem Dach diese gräßliche Wildtaube sitzt und fast nonstop stundenlang gurrt (Das hat in mir schon Mordgelüste geweckt.).
Aber auch (jetzt nicht auf Hypersensibilität bezogen), dass ich einen absoluten Horror vor der Steuererklärung habe oder häufig Strafmandate bekomme wegen Geschwindigkeitsüberschreitung, auch schon ein paarmal kleinere Auffahrunfälle hatte, dass ich Dinge nicht abgeschlossen habe - und dass ich praktisch überall 2-5 Min zu spät komme.
Ist schon irgendwie gruselig. :-(
4. Beitrag in einem Begabtenforum zum Thema Unpünktlichkeit
Ist zwar kein gravierendes Problem, was ich jetzt beschreiben möchte, aber mich interessiert einfach mal, ob das jemand kennt und nachvollziehen kann.
Also ich komme chronisch zu spät. Ich bin notorisch unpünktlich.
Nicht wirklich viel, so 2- 5 Minuten im allgemeinen. Und auch nur bei Veranstaltungen
hier in meiner Nähe .Aber es nervt. Die anderen, mich nicht. ....
Bin ich deshalb asozial? Und woher kommt das?
Ich bin bisher auf folgende Erklärungen gestoßen:
Die ist mir erst seit einiger Zeit so recht bewusst. Und dafür hab ich bisher folgende Ursachen gefunden:
Übrigens erscheine ich zu Terminen, deren Orte mindestens 1-2 Autostunden entfernt liegen, oft erstaunlich pünktlich....
5. Beitrag nach einem verunglückten' Hilferuf während einer schweren Krise
Nun, es ist schwer mir zu helfen, und mir fällt es schwer, mir helfen
zu lassen, weil mir manchmal einfach der nötige Ernst fehlt. Ich kann
nie lange betrübt sein, weil ich einfach ein zu lebensbejahender, positiv
denkender Mensch bin. Ich kann am Boden zerstört sein, aber wenn der
Himmel ganz blau strahlt und alle Farben leuchten, wenn ich die üppig
grünenden Wiesen voller Löwenzahn und Wiesenschaumkraut oder einen
blühenden Fliederbaum sehe, wenn ich wunderschöne Musik höre
oder ein gedanklich wertvolles Buch lese, wenn ich kulturelle Events besuche
oder Kunst betrachte, wenn ich mit lieben Menschen rede oder mit ihnen was
spiele - dann geht es mir gleich wieder besser!!!
Und es gelingt mir schwer, strategisch vorzugehen und in großen Schritten
die Zukunft zu planen, dazu leb ich einfach viel zu sehr im Augenblick.
Ich fall immer wieder auf die Nase, aber steh auch immer wieder auf. Kann
sein, dass ich nie richtig 'erwachsen* werde *g*, aber ich kann von mir
sagen, dass ich mein bisheriges Leben bewusst gelebt und in vollen Zügen
genossen habe!!
(Dazu brauch ich keinen Status und keine Sprossen auf der Karriereleiter...)
6. Beitrag zum Thema Lernen'
Frage: Wie lernt ihr?
Antwort:
hmmm, mir ist nicht mal so richtig klar, was du mit 'Lernen' meinst.
Geht es dir um das Erfassen und Behalten von Inhalten? Also etwa das sture
Auswendiglernen von Vokabeln für den Vokabeltest am nächsten Morgen?
Oder um das Erfassen, Behalten und Vernetzen von Inhalten?
Ersteres erinnert mich an Nürnberger Trichter und bringt nicht wirklich
was, letzteres bewirkt eher, dass komplexe Zusammenhänge verstanden
und auf ähnliche Gegebenheiten übertragen oder dass einmal erkannte
Regeln in neuen Kontexten angewandt werden.
Also wenns nur ums Auswendiglernen geht, so mach ich das voll konzentriert und schnell, um es schnell hinter mich zu bringen.
Vertiefteres Lernen gelingt bei mir am ehesten, wenn ich es uminterpretiere
und es mir selber als ein Spiel oder eine spannende Unterhaltung oder Rätselfrage
präsentiere. Vllt entwerfe ich ja sogar ein neues Spiel oder ein Quiz
dazu. Hauptsache es hat nix mehr mit Arbeit zu tun.
Denn Arbeit ist iii bah pfui.
Ach ja, Lernen gelingt mir oft dann am besten, wenn ich anderen was beibringe. Wenn mich also ein Wissensgebiet interessiert, les ich erst mal viel dazu, tausch mich dann gern mit anderen darüber aus - und dann biete ich einen Kursus dazu an. *g*
Was ist hasse, sind ständige Wiederholungen und Übungsblätter, überhaupt alles was mit viel Schreiben und mit sog. Fleißarbeit zu tun hat. Und in Büchern hab ich am liebsten graphische und schematische Darstellungen und Tabellen. Die seh ich dann auch ohne Buch vor dem inneren Auge. Deshalb mag ich auch Statistiken und Diagramme sehr gern, und ich schreibe am liebsten nur im Telegrammstil. Das von mir Notierte darf nicht zu seriös und verbindlich wirken, es sollte einen spielerischen Charakter beibehalten und eine gewisse Leichtigkeit. Dann fühl ich mich wohler damit und auch viel sicherer - falls ich mal nen Vortrag über das Gelernte halten sollte. Übrigens sind meine Stehgreifvorträge sicherlich besser als meine vorbereiteten, ebenso wie meine spontanen Tafelbilder. Ich hasse es, etwas doppelt aufschreiben zu müssen, hab dann eher Angst, dass ich zuviel gemacht hab und die Hälfte in die 'Tonne kloppen' kann. Grausiger Gedanke. *g*
Und überhaupt - Lernen kann ich nur, wenn ich genügend motiviert bin und ich irgendwas Neues am Lernstoff entdeckt habe, das mich begeistern kann. Denn das Ganze soll ja schließlich Spaß machen. : Außerdem red ich dann immer gern über meine neuesten Beobachtungen und freu mich, wenn ich auf Leute treffe, die auch Ahnung von dem Wissensgebiet haben und mit denen ich mich austauschen kann. Besonders spannend find ich es, wenn die anderen eine komplett andere Meinung zu dem Thema haben. Solange ich noch gar keinen Überblick über den Stoff habe, gehe ich so vor: Ich greife mir gerne einen interessanten Aspekt heraus und verwende den als roten Faden, was mich nicht an reichlich Exkursen in alle möglichen Richtungen hindert. Hauptsache ich weiß noch, wo ich im Endeffekt hin will. :
Lerngegenstände sind für mich wie Planeten bzw. Kugeln. Ich entdecke
erst ein Gebiet, dann drehe ich die Kugel herum und betrachte die gegenüberliegende
Seite, danach hüpfe ich gern kreuz und quer zu allen möglichen
anderen Punkten. Und ich zoome näher ran und wieder weiter weg.
Deshalb fällt es mir extrem schwer, linear und in kleinen Schritten
nach nur einem Konzept zu lernen - und zu unterrichten. Die Welt ist nicht
so! Ich find das einfach irreal und engstirnig.......
Sausebraus: Praxis für Ergo-Therapie, Heedfelder
Str. 9, 58509 Lüdenscheid
Wellenreiter: Praxis für ganzheitliche Psychotherapie (HPG), Friedrich-Ebert-Straße
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