FAQ
Bei dem Verdacht oder der Diagnose auf AD(H)S stellen sich mit einem Mal
eine ganze Menge Fragen. Einige wenige haben wir hier aufgelistet. Da es
einen sehr ausführlichen Fragen- und Antwortkatalog gibt, möchte
ich gerne zusatzlich darauf hin verweisen:
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom?
AD(H)S ist die deutsche Bezeichnung für "Aufmerksamkeitsdefizitstörung
mit/ohne Hyperaktivität". ADHS ist das am häufigsten diagnostizierte
Syndrom (Störungsbild) des Kindes- und Jugendalters. Drei bis fünf
Prozent aller Kinder gelten als betroffen. Sie haben Schwierigkeiten bei
der Verarbeitung von Sinnesreizen (Informationsverarbeitungsstörung).
Eine eingeschränkte bzw. abweichende Wahrnehmungsfähigkeit, etwa
im auditiven, visuellen oder taktilen Bereich, hat komplexe Auswirkungen
auf Verhalten, Motorik und Selbststeuerung der Kinder.
Welche Ursachen hat ADHS?
Man geht mitlerweile davon aus, dass die Ursachen zu 75% auf genetische
Ursachen zurückgeführt werden können. (Spencer, 2002; bei
Depression sind es 39%, bei der generalisierten Angststörung 32%, Brustkrebs
27%, Asthma 39%). Genetische Faktoren wirken auf die Regulation von Neurotransmittern
im Gehirn: Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, GABA und Androgene. Der Einfluss
dieser Gene auf die Ausbildung einer ADHD wurde in vielen Studien aufgezeigt.
Jeder Mensch hat einen Satz an Chromosomen, der paarweise die genetische
Grundausstattung festlegt. Menschen mit ADHS haben nun oft eine besondere
Aktivität oder Inaktivität auf mind. 2 Chromosomen: (2,3)
- Besonders bestätigt hat sich der Einfluss des Chromosoms Nr. 11,
das Dopamin D4 - Rezeptor-Gen (DRD 4, ist mit Persönlichkeitseigenschaften
wie 'Suche nach Stimulationen' verbunden). Die betroffene Region heisst
7 - repeat allel. Es ist mit Reizsuche, Suche nach Neuem assoziiert: Impulsivität,
Exploratuionsverhalten, Erregbarkeit, Heissblütigkeit --> also
alles Eigenschaften, die auch ADHS'lern zugeschrieben werden. Es scheint,
dass Noradrenalin und Epinephrine (Adrenalin) auf dieses D4-Gen einwirken.
Vermutlich haben 50-60% der ADHD-Betroffenen diese Gen-Besonderheit, und
30% der Normalbevölkerung. (3)
- Bedeutsam ist auch das Chromosom Nr. 5, das Dopamin-Transporter - Gen
(DAT) . Auf diesem Transporter Gen gibt es 480-bp Allele, die mit ADHS,
Zwangsstörungen, Tourette-Syndrom und einer Störung des Sozialverhaltens
in Verbindung gebracht werden. (Allele sind best. Abschnitte auf einem
Gen, die paarweise eine best. Funktion haben) Dieses 480-bp Allel ist
wohl ein Risikofaktor für das Auftreten versch. psych. Erkrankungen.
Nach (1) wurde mithilfe des SPECT - Technik die Dopamin - Transporterdichte
im Striatum gemessen. Sie war um etwa 70% bei ADHD - Erwachsenen erhöht.
Eine erhöhte Transporterdichte führt zu einer geringeren Verfügbarkeit
von Dopamin im synaptischen Spalt.
Die Ergebnisse sind derzeit aber noch nicht weit genug gediehen, um eine
klare, einfache Kausalitätsbeziehung feststellen zu können. Diese
wird es bei ADHS vermutlich auch nicht geben, weil Umweltfaktoren in diese
Regulationsmechanismen eingreifen, und sich die Vorgänge dadurch noch
wesentlich komplizierter gestalten.
Durch welche Leitsymptome äußert sich ADHS?
Das Störungsbild ist durch folgende Leitsymptome gekennzeichnet:
- Unaufmerksamkeit
- Überaktivität
- Impulsivität
Das ADHS ist unabhängig von der Intelligenz des Menschen. Die Störung
findet sich sowohl bei unterdurchschnittlich intelligenten als auch bei
hochbegabten Menschen.
Was sollte man bei der Diagnose beachten?
Für die Diagnose von ADS müssen andere Ursachen für auffälliges
Verhalten abgeklärt werden:
- Depressive und bipolare Störungen
- Angststörungen
- Hochbegabung
- Allergien
- Wahrnehmungsstörungen
- Seh-, Hörstörungen
- Restless-Leggs-Syndrom (RLS)
- Suchterkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Spielsucht, Essstörungen
etc.
- Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten / Verhaltensstörungen
bei Kindern
- Lernstörungen, insbesondere Schreib- und Leseschwäche
- Psychotische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
- Trauma
- Zwangsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Tic-Störungen
- Hypo- und Hyperthyreose (Störungen,die durch erhöhte oder
verminderte biologische Verfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen
bedingt sind)
- Schlafstörungen
- Erberkrankungen (Chromosomale Störungen wie z.B. Klinefelter- Syndrom
(Missbildung der Keimrüsen durch Chromosonenaberration.
- Primäre Unterfunktion der Keimdrüsen, die Hoden bleiben klein,
fehlende Spermiogenese, dadurch Sterilität, Ursache ist eine Trisometrie
der Geschlechtschromosomen oder eine Vermehrung nur der X-Chromosomen
(Down- Syndrom)))
- Hirnverletzungen
Die Behandlung von Kindern mit hyperkinetischen Störungen sollte
nur erfolgen, wenn sie sich auf eine Diagnostik stützt, die sich auf
Untersuchungsbefunde zu störungsrelevanten körperlichen, kognitiven
und psychischen Funktionen sowie sozialen Bindungen bezieht.
Deshalb sind eine somatischneurologische Untersuchung (Körpergröße,
Körpergewicht, Herzfrequenz, Blutdruck), eine Labordiagnostik (Differentialblutbild,
Elektrolyte, Leberstatus, Schilddrüsen und Nierenfunktionswerte) ein
Ruhe- EEG und eine kognitive Leistungsdiagnostik unerlässlich.
(aus Vortag SHG Lüdenscheid, Schlappy)
Begriffe
Als ob die Störung nicht genug Konfusion mit sich brächte - es
gibt sehr viele Begriffe, die in das Feld der Aufmerksamkeitsstörung
mit / ohne Hyperaktivität und mit / ohne gestörtem Sozialverhalten
passen:
- Hyperkinetische Störung - HKS:: Dieser Begriff wird im Diagnosenkatalog
ICD 10 der WHO verwendet und ist in Deutschland für Ärzte und
Psychotherapeuten beim Verkehr mit Krankenkassen und Kassenärztlichen
Vereinigungen bindend.
- Aufmerksamkeitsdefizit - Syndrom (Mit / ohne Hyperaktivität)
ADS / ADHS engl.: ADD (Attention Deficit Disorder) oder ADHD (Attention
Deficit and Hyperactivity Disorder): Dieser Begriff wird im Diagnosenkatalog
DSM IV verwendet: Die amerikanische Literatur, sowie die deutschen Psychologen
(an Universitäten und oft als Angestellte in Einrichtungen), orientieren
sich am DSM IV.
- Minimale Cerebrale Dysfunktion MCD: Dieser Begriff ist eigentlich
mittlerweile veraltet und sollte nicht mehr verwandt werden, weil er einen
(nicht nachweisbaren) Hirnschaden postuliert. Damit wird Kindern von vorn
herein ein Schaden unterstellt; diese Etikettierung erschwert einen angemessenen
Umgang mit der Problematik erheblich. Dieses Konzept entspricht dem schweizerischen
POS Psycho - organischen Syndrom.
- Hyperaktivität: Dieser Begriff ist umgangssprachlich für
das HKS oder ADHS - Syndrom weitverbreitet.